Geschichte

90 Jahre Geschichte ist eine lange Zeit. Anlass für uns, einen kleinen Rückblick auf das Vereinsleben der Freiw. Feuerwehr Georgenborn zu geben. Den Protokollbüchern, die bis heute erhalten sind, kann das eine oder andere erwähnenswerte Detail entnommen werden. Unser Rückblick umfasst allerdings nicht die zahlreichen Einsätze der Feuerwehr, da dies den zur Verfügung stehenden Rahmen in diesem Heftchen sprengen würde.

Bereits im Februar 1909 erklärten vierzehn Bürger von Georgenborn während einer von Bürgermeister Rossel einberufenen Versammlung im damaligen Gasthaus „Zur Schönen Aussicht“  ihren Eintritt in die Neugegründete Freiwillige Feuerwehr.

Doch wie so oft im Leben, war hier zunächst nur der Wunsch der Vater des Gedankens, denn es ging noch einige Zeit ins Land, bis der Feuerwehrverein seine Arbeit aufnehmen konnte. Nicht nur, dass noch einige Verwaltungshürden zu bewältigen waren, es waren zu diesem Zeitpunkt ja leider auch keinerlei Ausrüstungsgegenstände vorhanden, mit denen es den Kameraden möglich gewesen wäre, ihre Einsätze zu bewältigen.

Außer den vorhandenen Brunnen standen zu Löschzwecken die ebenfalls 1909 fertig gestellte Wasserleitung sowie ein Brandweiher, dessen Überreste noch heute an der Ecke Bornwiesweg/Am Brandweiher zu sehen sind, zur Verfügung.

Obwohl mit Hilfe einer großzügigen Spende des Barons von Krauskopf, an der Ecke untere Trift/Bornwiesweg bereits ein Spritzenhaus mit Schlauchturm, welches noch heute von der Feuerwehr als Lager- u. Geräteraum genutzt wird, errichtet worden war, konnte die Finanzierung der weiteren erforderlichen Ausrüstung nicht sofort bewältigt werden

Erst am 5. November 1911 waren endlich die für die 150 Einwohner zählende Gemeinde erforderlichen Feuerlöschgeräte angeschafft, so dass man dem Landrat schriftlich mitteilen konnte, dass „nach Spritzenprobe und Prüfung der neu angeschafften Feuerlöschgeräte und nach ergangener ortsüblicher Bekanntmachung, die schon längere Zeit geplante Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Georgenborn beschlossen wurde“.

In der Neugegründeten Feuerwehr begann sofort ein reges Vereinsleben. So legte man z.B. fest, dass an jedem ersten Samstag im Monat eine Vereinsversammlung stattfindet, ein Brauch, der sich bis in unsere heutige Zeit gehalten hat. Im Januar 1913 erhöhte man den monatlichen Beitrag der Vereinsmitglieder von 10 auf 20 Pfennige, um einen Sanitätskasten anzuschaffen, der im gleichen Jahr mit Hilfe des Angesparten Betrages, des Überschusses von der Weihnachtsfeier sowie einer Spende des Barons Krauskopf tatsächlich erworben werden konnte. Da im Mai vier Kameraden beim Militär eine Sanitätsdienst-Ausbildung absolviert hatten, war im Ort, in dem kein Arzt ansässig war, zumindest eine medizinische Erstversorgung gewährleistet.

Durch den 1. Weltkrieg kam der Vereinsbetrieb praktisch zum Stillstand. Von den Ortsbewohnern waren 21 Männer in den Krieg gezogen, von denen 11 letztendlich nicht mehr zurück kamen. Die erste Versammlung nach dem Krieg fand erst im Januar 1920 statt. Gerade in dieser schweren Zeit hielt man in der Feuerwehr Georgenborn zusammen. So beriet man die Gründung einer Stiftung oder führte zur Unterstützung der Witwe eines verstorbenen Kameraden eine Sammlung durch. Aus der Vereinskasse stellte man 50 % des gesamten Bestandes, nämlich 200,00 Mark, zur Verfügung, damit die Gefallenen des Weltkrieges mit einer angemessenen Gedenktafel geehrt werden konnten. Nach eingehenden Beratungen über Material und Standort des Denkmales entstand das heute noch am „Georgsborn“ stehende Kriegerdenkmal, an dem alljährlich am Volkstrauertag eine kleine Gedenkfeier stattfindet.

Bereits 1926 wurde die Gemeindeverwaltung aufgefordert, eine fahrbare Leiter anzuschaffen. Diese Forderung wurde auch erfüllt, allerdings erst 1928 und nachdem Georgenborn am 1. April von der Stadt Wiesbaden eingemeindet worden war. Die Einsatzmannschaft teilte sich nun in eine „Leitermannschaft“ und in eine „Spritzenmannschaft“ auf.

Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten brachte auch für die Feuerwehr Georgenborn drastische Veränderungen mit sich. So mussten alle Kameraden, die einer linksorientierten Partei angehörten, aus der Wehr austreten, auch die Bekleidung jeglicher öffentlicher Ämter wurde ihnen untersagt. Die Übungen bestanden nunmehr hauptsächlich aus Marschübungen und militärischem Drill. Die Versammlungen wurden nur noch bei Bedarf abgehalten, so dass nur wenige Aufzeichnungen aus dieser Zeit existieren. Seit dem 1. April 1939 gehörte Georgenborn nicht mehr zu Wiesbaden, sondern wurde nun Ortsteil der Gemeinde Schlangenbad.

Erst nach dem 2. Weltkrieg, aus dem 18 Georgenborner nicht mehr zurückkehrten, kam es im Januar 1946 wieder zu einer ordentlichen Versammlung, in der die Wehr neu aufgestellt sowie ein neuer Vorstand gewählt wurde. In den nächsten Jahren kam es wieder zu einem normalen Vereinsleben, es wurden neue Uniformröcke angeschafft und es waren etliche, auch größere, Einsätze zu bewältigen. 1949 konnte durch den Fabrikanten Nowak, der in den Bandag-Werken (heutiges Gebiet „Am hohen Wald“) eine Reifen-Vulkanisieranstalt betrieb, eine Motorspritze beschafft werden. Dieser folgte 1950 der erste motorisierte Feuerwehrwagen, ein LKW der  Marke „Dodge“, der ebenfalls von Herrn Nowak gespendet wurde. Der LKW befand sich nicht in allerbestem Zustand, so dass es vieler Arbeitsstunden der Kameraden bedurfte, ihn in einen für die Einsätze angemessenen Zustand zu versetzen. Beim 40. Jubiläum der Wehr 1951 war das Fahrzeug in Stand gesetzt und diente bis Mitte der 50er Jahre zum Transport der Motorspritze sowie der übrigen Ausrüstung.

Als Ersatz nahm die Wehr dann einen gebrauchten VW-Bus in Betrieb, der ebenfalls in Eigenregie zum Transport der Pumpe TS 4, des Löschgerätes sowie der Mannschaft hergerichtet wurde. In dieser Zeit machte besonders der sommerliche  Wassermangel der Wehr und der Bevölkerung zu schaffen. Dies änderte sich erst Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre, als die Wasserversorgung der inzwischen drastisch gewachsenen Einwohnerzahl angepasst werden musste.

1959 wurde die Anschaffung einer elektrischen Sirene beantragt, deren Probelauf am 4. Februar 1961 stattfand. Die Alarmierung durch die Handsirene gehörte nunmehr der Vergangenheit an. An jedem 1. Samstag im Monat wurde die Sirene um 12.00 Uhr getestet, ein Brauch, der bis Mitte der 90er Jahre, als die Sirene außer Betrieb ging, beibehalten wurde.  Ebenfalls 1961 konnte die Wehr ihr 50jähriges Bestehen feiern. Dies geschah u.a. mit einer großen Alarmübung, bei der es auf dem Sportplatz ein brennendes Papp-Häuschen zu löschen galt.

Ende 1964 war auch der VW-Bus an Ende seiner Tage angekommen. Dennoch musste die Wehr noch bis Sommer 1966 auf das Ersatzfahrzeug, einen Opel-Blitz, warten. Er wurde dem Verein unter der Bedingung, das Fahrzeug selbst auszubauen sowie eine moderne Pumpe TS 8 aus Vereinsmitteln anzuschaffen, von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Durch den aufwendigen und langwierigen Ausbau dauerte es noch  bis zum Frühjahr 1968, bis die offizielle Einweihung erfolgen konnte. Zunächst war es nicht möglich, die erforderliche Vorbaupumpe zu installieren, da der Wagen dann nicht mehr in das kleine Spritzenhaus gepasst hätte. So war eine Aufrüstung zum waschechten LF 8 erst viel später, nach dem Einzug ins neue Gerätehaus und nach dem Einbau der Vorbaupumpe, möglich.

Die mittlerweile akute und dem Feuerwehrdienst hinderliche Raumnot war der Gemeindeverwaltung bereits seit Ende der 60er Jahre bekannt, doch erst im März 1976 konnte man endlich in das neue Gerätehaus in der Mainstraße einziehen.

Hier standen endlich die Räumlichkeiten zur Verfügung, die für eine erfolgreiche Feuerwehrarbeit benötigt wurden. Es war Platz für zwei Fahrzeuge, was auch sofort ausgenutzt wurde, da ein Wiesbadener Schrotthändler der Wehr einen ausgedienten Pritschenlaster, ebenfalls vom Typ Opel-Blitz, zum Transport der   Geräte geschenkt hatte. Dieser Wagen wurde in unzähligen Stunden hergerichtet und stand der Wehr viele Jahre zur Verfügung.

Im Januar 1978 entschloss man sich zur Gründung einer Jugendfeuerwehr. Die Jugendabteilung wurde seitdem kontinuierlich ausgebaut und unterstützt. Sie genießt bis heute einen sehr guten Ruf im Ort und in der Gemeinde, da hier den Jugendlichen nicht nur eine feuerwehrtechnische Ausbildung geboten wird, sondern auch ihre sonstigen Interessen nicht zu kurz kommen.

Im Jahr 1986 stand das 75. Jubiläum der Wehr an, welches im September entsprechend gefeiert wurde. Vielen werden sicherlich noch die Festtage, z. B. mit dem Absprung von Fallschirmspringern oder dem festlichen Umzug durch die Straßen des Ortes, in guter Erinnerung sein. Nur 2 Jahre später, im September 1988 galt es das nächste Jubiläum zu begehen, denn die Gründung der Jugendfeuerwehr jährte sich zum 10. mal.

Bereits im Mai 1988 hatte das 22 Jahre alte LF 8 auf einer Einsatzfahrt eine Panne, im Oktober 1989 musste die Kupplung repariert werden. Es zeigte sich, dass die Ersatzteilversorgung immer schwieriger wurde, insbesondere waren keine Reifen mehr in der erforderlichen Größe lieferbar. Da mittlerweile eine Reparatur auf die andere folgte, musste man langsam damit beginnen, sich Gedanken um eine Ersatzbeschaffung aus Gemeindemitteln zu machen. Praktisch zeitgleich war die Wehr auf der Suche, um einen mit den vorhandenen Vereinsmitteln bezahlbaren Ersatz für den mittlerweile gänzlich unbrauchbar gewordenen Gerätewagen zu finden. Diesen hatte man dann im Dezember 1989 auch endlich gefunden.

Es handelte sich um einen LKW, Mercedes 1113, zuvor bei der Elbtunnel-Feuerwehr im Einsatz. Sein Besitzer hatte ihn bei der Aufgabe des Handels mit gebrauchten Feuerwehrfahrzeugen als Restbestand zurück behalten. Nun wurde intensiv über den Kauf des Fahrzeuges, welches sich in keinem guten Zustand befand und zudem ohne jegliche Ausrüstung war, verhandelt. Als dann endlich das Wertgutachten eines Sachverständigen vorlag, ergab sich, dass der Wagen noch immer einen Wert von DM 90.000,00 hatte, einen Betrag, den die Wehr nie und nimmer hätte aufbringen können. Die Enttäuschung der Kameraden, welche die Verhandlungen mit Vorfreude geführt hatten und deren Träume nun jäh zu zerplatzen drohten, war groß. Es war ein unbeschreiblich großes Glück für die Wehr, dass selbst der Eigentümer des Wagens wohl Mitleid mit dieser niedergeschlagenen Truppe hatte, denn er entschloss sich, den Wagen der Wehr zu spenden. Man kann sich sicher die Freude, die über dieses große Entgegenkommen herrschte, vorstellen. Frohen Mutes machte man sich daran, den LKW in vielen Arbeitsstunden her- u. einzurichten, so dass die Wehr seit Juni 1990 über einen erstklassigen Gerätewagen verfügt, der sich, mit einer Seilwinde, einem Lichtmast sowie einem Wassertank (1.800 Ltr.) versehen, bei vielen Einsätzen im Ort und innerhalb der Gemeinde bestens bewährt hat. Einziger Wermutstropfen sind die immens hohen Wartungskosten, die ein solches Fahrzeug mit sich bringt und die allein aus Mitteln der Vereinskasse getragen werden müssen.

Im Sept. 1992 konnte dann endlich das durch die Gemeinde neu angeschaffte LF 8/6, Typ Mercedes 814, eingeweiht werden. Das ausgemusterte LF 8, Typ Opel-Blitz, kam jedoch nicht in die Schrottpresse, sondern ging zur Feuerwehr nach Saalburg, wo es noch heute genutzt wird.

1993 bekam die Wehr wieder das alte Spritzenhaus, das lange Jahre von der Gemeinde zum Unterstellen von Geräten und Streusalz genutzt worden war, als Lagerfläche zur Verfügung gestellt. Endlich konnten viele Gerätschaften, die im Gerätehaus keinen  Platz fanden und daher teilweise unter Planen auf dem Dach gelagert werden mussten, eine anständige Bleibe finden.

Wiederum waren viele Arbeitsstunden fällig, um das alte Spritzenhaus zu renovieren und mit Regalen zu versehen, damit eine ordentliche Lagerung der Gegenstände möglich war.

Im Mai 1995 wurde ein weiteres Fahrzeug (DB 207 D, Bez.: MTW) in Betrieb genommen, welches in gebrauchtem Zustand aus Angesparten Vereinsmitteln für ca. 20.000 DM gekauft und hergerichtet wurde. Es dient dem Transport der Einsatzkräfte zu Einsätzen u. Übungen sowie von Jugendfeuerwehrmitgliedern zu Übungen und zum Zeltlager. Auch der Unterhalt dieses Fahrzeuges wird aus Vereinsmitteln bestritten.

1997 legte Jugendfeuerwehrwart Helmut Gies nach 19 Jahren sein Amt in jüngere Hände und übergab die Verantwortung an Alexander Barth, der selbst in der Jugendfeuerwehr groß geworden war. Er übernahm von Helmut Gies auch das Amt des Jugendfeuerwehrwartes der Gemeinde Schlangenbad. Im Februar 1999 kam es zu einem „Wachwechsel“ in der Wehrführung, als der stellvertretende Wehrführer Horst Barth sein Amt aus Gesundheitsgründen nach 26 Jahren niederlegen musste. Nachfolger seines Vaters wurde ebenfalls Alexander Barth. Über die in diesem Jahr erfolgten Änderungen im Vorstand der Wehr berichten wir an anderer Stelle in dieser Homepage.

Mit diesem doch recht umfangreich ausgefallenen Rückblick wollen wir nun die Berichterstattung über die zurückliegenden 90 Jahre beenden. Nach wie vor stellen sich die Kameraden der Feuerwehr Georgenborn in den Dienst für das Wohl ihrer Mitbürger in unserem stetig gewachsenen Ort sowie in der Gemeinde. Doch alleine mit der Einsatzbereitschaft und dem Idealismus der Kameraden ist es leider nicht getan, da die Ausgaben der öffentlichen Hand für die Feuerwehren ständig sinken. Viele wichtige Anschaffungen sowie der Unterhalt der vereinseigenen Fahrzeuge gehen daher allein zu Lasten der Vereinskasse.  Nur durch viele fördernde Mitgliedschaften sowie Spenden der Georgenborner Bürger wird dies auch künftig noch möglich sein.

Text: Mario Bredel


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Stand: Tuesday, 24 June 2003, 14:13 Uhr